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Ordnerstruktur der Schulverwaltung ​

Stand 22.09.2026 · Leander Seyffer

Zweck und Geltungsbereich ​

Dieses Handbuch legt die verbindliche Ordnerstruktur (Aktenplan) für die Schulverwaltung im Prilog DMS fest und begründet jede Entscheidung. Ziel: Jedes Verwaltungsdokument hat genau einen richtigen Ort, den jede berechtigte Person ohne Rückfrage findet.

Die Struktur gilt für Dokumente mit Verwaltungs-, Nachweis- oder Rechtscharakter: Akten, Verträge, Protokolle, Bescheide, Nachweise, verbindliche Konzepte. Sie gilt nicht für Unterrichtsmaterial, Arbeitsstände in Klassen-Spaces und Chat-Anhänge (siehe Abgrenzung).

Zielgruppe sind Sekretariat, Schulleitung, Geschäftsführung, Personal, Buchhaltung und Datenschutz. Die Struktur ist als Vorlage für alle Prilog-Schulen gedacht; schulspezifische Anpassungen sind nur auf Ebene 2 und tiefer vorgesehen.

Was Prilog davon heute kann

Die Struktur ist in Prilog hinterlegt und lässt sich in einem Behälter anlegen: 13 Hauptordner, 60 Ordner samt Ebene 2. Ebene 1 ist danach fest — sie lässt sich weder umbenennen noch löschen noch verschieben.

Ebenfalls gebaut: Schutzstufen am Ordner (vererbt, nur erhöhbar), Ordnervorlagen für Schüler- und Personalakten, das Anlegen und Verschieben von Akten aus den Stammdaten, Leserechte auf Schülerakten aus der Klassenzuordnung, das Zugriffsprotokoll für S3 und S4, der Abschluss von Jahresordnern mit Schreibschutz, die Frist am Ordner, der Löschlauf mit Sperre, Freigabe und Protokoll nach 09.6 sowie die Auskunft je Person nach Art. 15 DSGVO.

Die offenen Entscheidungen am Ende dieses Handbuchs sind weiterhin offen.

Leitprinzipien – warum die Struktur so ist ​

Die Struktur folgt acht Prinzipien. Jedes löst ein konkretes Problem, das gewachsene Schulablagen typischerweise haben.

#PrinzipWas es bedeutetWelches Problem es löst
P1Aufgabe statt PersonOrdner heißen nach Zuständigkeit (Personal, Finanzen), nie nach Menschen („Ordner Frau M.”)Personalwechsel zerstört sonst die Ablage; Wissen bleibt an Köpfen hängen
P2Ordnergrenze = BerechtigungsgrenzeWer einen Ordner der Ebene 1 sehen darf, darf alles darin sehen; Rechte werden nur auf Ebene 1–2 gesetzt und vererbtEinzelfreigaben tief im Baum sind unprüfbar und führen zu Datenpannen
P3Lebenszyklus bestimmt den OrtWas gemeinsam aufbewahrt und gemeinsam gelöscht wird, liegt zusammen (z. B. eine Schülerakte pro Kind)Löschfristen sind sonst nicht umsetzbar, weil Dokumente einer Person verstreut liegen
P4Zwei Zeitachsen, bewusst getrenntPädagogik und Gremien nach Schuljahr (Aug–Jul), Finanzen nach Geschäftsjahr (meist Kalenderjahr)Mischung führt zu Belegen im falschen Jahr und doppelten Ordnern
P5Ein Ort pro DokumentJedes Dokument existiert einmal; andere Stellen verlinken oder finden es über MetadatenKopien laufen auseinander; niemand weiß, welche Fassung gilt
P6Flach und stabilMaximal 4 Ebenen; Ebene 1 ist nummeriert und ändert sich nur per BeschlussTiefe Bäume werden nicht gepflegt; wechselnde Hauptordner zerstören Gewohnheit
P7Frist hängt am OrdnerJeder Aktenordner trägt Aufbewahrungsregel und FristbeginnLöschung wird sonst nie gemacht (DSGVO Art. 5 Abs. 1 lit. e)
P8Das System legt Akten an, nicht der MenschSchüler-, Personal- und Schuljahresordner erzeugt Prilog aus den Stammdaten nach fester VorlageHandangelegte Akten haben uneinheitliche Namen und fehlende Unterordner

P2 und P3 sind die tragenden Prinzipien. Wo sie kollidieren, gewinnt P2: Ein Dokument mit höherer Schutzstufe bekommt einen eigenen Unterordner, auch wenn es inhaltlich zur Akte gehört.

Die oberste Ebene spiegelt zugleich das Prilog-Sphärenmodell: Pädagogik (03, 04), Verwaltung (05–09, 11) und Verein bzw. Träger (10). Leitung und Gremien (01, 02) liegen quer dazu.

Die Ordnerstruktur im Überblick ​

Die Struktur hat 13 Hauptordner. Nummern halten die Reihenfolge stabil und machen Ordner im Gespräch eindeutig („liegt in 05”). Die Lücke 12–98 ist Reserve.

00 Eingang
01 Leitung und Organisation
   01.1 Schulprofil und Konzepte
   01.2 Ordnungen und Richtlinien
   01.3 Organigramm und Zuständigkeiten
   01.4 Schulaufsicht und Behörden
   01.5 Qualitätsentwicklung
02 Gremien und Konferenzen
   02.<Gremium>/<Schuljahr>        z. B. 02.1 Gesamtkonferenz/2026-27
03 Schülerverwaltung
   03.1 Aufnahme und Warteliste/<Schuljahr>
   03.2 Schülerakten (aktiv)/<Nachname, Vorname – ID>
   03.3 Schülerakten (ehemalig)/<Abgangsjahr>/<Nachname, Vorname – ID>
   03.4 Klassen und Jahrgänge/<Schuljahr>
   03.5 Schulstatistik und Meldungen/<Schuljahr>
04 Unterricht und Prüfungen
   04.1 Curricula und Stundentafeln
   04.2 Prüfungen und Abschlüsse/<Schuljahr>/<Abschlussart>
   04.3 Zeugnisse und Berichte – Vorlagen und Termine
   04.4 Schulveranstaltungen, Fahrten, Praktika/<Schuljahr>
05 Personal
   05.1 Personalakten (aktiv)/<Nachname, Vorname – ID>
   05.2 Personalakten (ehemalig)/<Austrittsjahr>/…
   05.3 Stellen und Bewerbungen/<Ausschreibung>
   05.4 Deputate und Einsatzplanung/<Schuljahr>
   05.5 Fortbildung
   05.6 Honorar- und Ehrenamtskräfte
   05.7 BEM und Arbeitsunfähigkeit (S4, getrennt von der Personalakte)
06 Finanzen
   06.1 Haushalt und Planung/<Geschäftsjahr>
   06.2 Schulgeld und Elternbeiträge/<Geschäftsjahr>
   06.3 Zuschüsse und Fördermittel/<Programm>
   06.4 Buchhaltung und Belege/<Geschäftsjahr>
   06.5 Jahresabschluss und Prüfung/<Geschäftsjahr>
07 Verträge und Recht
   07.1 Verträge/<Vertragspartner>
   07.2 Versicherungen
   07.3 Rechtsangelegenheiten/<Vorgang>
08 Gebäude, Sicherheit und IT
   08.1 Liegenschaft und Mietsache
   08.2 Brandschutz und Evakuierung
   08.3 Arbeitsschutz und Unfälle
   08.4 Hygiene und Infektionsschutz
   08.5 IT, Geräte und Zugänge
09 Datenschutz
   09.1 Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten
   09.2 TOM und Datenschutz-Folgenabschätzungen
   09.3 Auftragsverarbeitung
   09.4 Betroffenenanfragen/<Jahr>
   09.5 Datenschutzvorfälle/<Jahr>
   09.6 Löschprotokolle/<Jahr>
10 Verein und Träger
   10.1 Satzung und Register
   10.2 Vorstand/<Geschäftsjahr>
   10.3 Mitgliederversammlung/<Jahr>
   10.4 Mitgliederverwaltung
11 Kommunikation und Öffentlichkeit
   11.1 Elternbriefe und Rundschreiben/<Schuljahr>
   11.2 Presse und Website
   11.3 Corporate Design
99 Vorlagen und Formulare

Platzhalter in spitzen Klammern werden von Prilog automatisch erzeugt (P8). Alles andere legt nur die Struktur-Verantwortliche an.

Die Bereiche im Einzelnen ​

Jeder Hauptordner hat genau eine verantwortliche Funktion (Owner). Der Owner entscheidet über Unterordner und ist Ansprechperson bei Ablagefragen.

OrdnerOwner (Funktionsrolle)InhaltWarum eigener Hauptordner
00 EingangSekretariatUnsortierte Eingänge, Scans, PostTrennt „noch nicht bewertet” von „abgelegt”; nichts bleibt länger als 14 Tage
01 Leitung und OrganisationSchulleitungLeitbild, Konzepte, Schul- und Hausordnung, Genehmigung als Ersatzschule, BehördenschriftverkehrDauerhaft gültige Grundlagen, für alle Mitarbeitenden lesbar
02 Gremien und KonferenzenSchulleitung, je Gremium ProtokollführungEinladungen, Protokolle, Anlagen je Gremium und SchuljahrGremien haben unterschiedliche Leserkreise; Protokolle sind dauerhafte Nachweise
03 SchülerverwaltungSekretariatAufnahme, Schülerakten, Klassenlisten, StatistikPersonenbezogene Daten Minderjähriger, eigene Schutzstufe
04 Unterricht und PrüfungenSchulleitung / OberstufenkoordinationCurricula, Prüfungsunterlagen, Abschlusslisten, FahrtenPrüfungsunterlagen haben lange Fristen und strenge Formvorgaben
05 PersonalPersonalreferatPersonalakten, Bewerbungen, Deputate, FortbildungHöchste Vertraulichkeit gegenüber Kollegium; eigener Leserkreis
06 FinanzenBuchhaltung / GeschäftsführungHaushalt, Schulgeld, Zuschüsse, Belege, AbschlüsseSteuerliche Fristen und Geschäftsjahr-Logik
07 Verträge und RechtGeschäftsführungVerträge je Partner, Versicherungen, RechtsvorgängeVerträge laufen über Jahre; Kündigungsfristen müssen auffindbar sein
08 Gebäude, Sicherheit und ITGeschäftsführung / HaustechnikBrandschutz, Begehungen, Unfallanzeigen, GeräteNachweispflichten gegenüber Unfallkasse und Behörden
09 DatenschutzDatenschutzkoordinationVVT, TOM, DSFA, AV-Verträge, Vorfälle, LöschprotokolleRechenschaftspflicht (Art. 5 Abs. 2 DSGVO) an einem Ort nachweisbar
10 Verein und TrägerVorstandSatzung, Registerauszüge, Vorstands- und MV-Protokolle, MitgliederEigene Rechtsperson; Vereinsmitglieder sind nicht Schulpersonal
11 Kommunikation und ÖffentlichkeitÖffentlichkeitsarbeitVersandte Elternbriefe, Presse, LogosTrennt veröffentlichte Endfassungen von internen Entwürfen
99 Vorlagen und FormulareSekretariatLeere Formulare, Briefvorlagen, AktenvorlagenEine gültige Fassung je Formular, von überall verlinkt

Warum Schüler- und Personalakten als Einzelakte ​

Eine Akte pro Person ist die einzige Form, in der Fristen sauber greifen. Die Frist beginnt mit dem Abgang bzw. Austritt, also für jede Person zu einem anderen Zeitpunkt. Deshalb wandert die Akte beim Abgang als Ganzes nach „ehemalig/” und wird dort gemeinsam fristgerecht gelöscht.

Jede Schülerakte hat dieselben Unterordner (Vorlage aus 99):

  1. 01 Stammdaten und Schulvertrag

  2. 02 Aufnahme

  3. 03 Zeugnisse und Berichte

  4. 04 Förderung, Gutachten, Nachteilsausgleich – erhöhte Schutzstufe

  5. 05 Schriftverkehr

  6. 06 Einwilligungen (unterschrieben)

  7. 07 Abgang

Jede Personalakte hat diese Unterordner:

  1. 01 Stammdaten und Vertrag

  2. 02 Qualifikation und Nachweise

  3. 03 Tätigkeit, Deputat, Änderungen

  4. 04 Abmahnungen und Ermahnungen – erhöhte Schutzstufe, mit Entfernungsfrist

  5. 05 Schriftverkehr

Bewusst nicht in der Personalakte: BEM-Unterlagen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Gesundheitsdaten. Sie liegen getrennt mit eigenem, engem Leserkreis, weil sie sonst jede Person mit Akteneinsicht mitsieht. Vom erweiterten Führungszeugnis wird nur ein Einsichtsvermerk (Datum, Ergebnis ohne Eintrag, Prüfer) abgelegt, keine Kopie.

Warum Gremien getrennt von Leitung ​

Protokolle der Gesamtkonferenz dürfen alle Mitarbeitenden lesen, Protokolle einer Schulführungs- oder Personalkonferenz nicht. Ein eigener Hauptordner mit einem Unterordner je Gremium erlaubt genau diese Rechte ohne Ausnahmen. Das Beschlussregister im Prilog-Modul Konferenzen bleibt die führende Quelle für Beschlüsse; das DMS hält das unterschriebene Protokoll als Nachweis.

Warum Verein getrennt von Schule ​

Der Träger ist eine eigene Rechtsperson mit eigenem Personenkreis. Vereinsmitglieder sind oft Eltern, dürfen als Mitglieder aber keine Schulverwaltungsdaten sehen. Hat die Schule einen anderen Träger (gGmbH, Stiftung), heißt 10 „Träger” und enthält Gesellschafter- bzw. Stiftungsunterlagen.

Benennung, Metadaten und Versionen ​

Dateinamen folgen einem festen Muster, damit sie sortierbar sind und ohne Öffnen verständlich bleiben:

JJJJ-MM-TT_Dokumentart_Gegenstand.ext
2026-09-15_Protokoll_Gesamtkonferenz.pdf
2026-08-01_Vertrag_Reinigung-Fa-Muster.pdf
  • Datum im ISO-Format zuerst: Es sortiert chronologisch und ist eindeutig. Maßgeblich ist das Datum des Dokuments, nicht des Uploads.

  • Keine Personennamen im Dateinamen, wenn das Dokument in einer Akte liegt. Der Aktenordner trägt den Namen bereits; Dateinamen erscheinen sonst in Suchtreffern und Benachrichtigungen.

  • Keine Versionszusätze wie „final”, „v2” oder „neu”. Das DMS versioniert selbst; ein Dokument wird überschrieben, nicht dupliziert.

  • Keine Umlaute-Ersatzschreibung nötig, aber keine Sonderzeichen außer Bindestrich und Unterstrich.

Jedes Dokument trägt Metadaten. Pflichtfelder werden beim Hochladen abgefragt oder aus dem Ordner vererbt:

FeldPflichtQuelleZweck
DokumentartjaAuswahllisteSuche und Fristzuordnung
Schuljahr bzw. Geschäftsjahrjavom Ordner geerbtZeitachse (P4)
Personenbezugbei Aktenvom Aktenordner geerbtAuskunft nach Art. 15 DSGVO, Löschung
Schutzstufejavom Ordner geerbt, nur erhöhbarZugriff (siehe Berechtigungen)
StatusjaEntwurf · gültig · abgelöst · archiviertWelche Fassung gilt
Aufbewahrung bisautomatischRegel des Ordners + FristbeginnLöschlauf
Löschsperreoptionalmanuell mit BegründungLaufende Verfahren (Legal Hold)

Warum Metadaten statt tieferer Ordner: Ein Dokument kann nur an einem Ort liegen, aber mehrere Eigenschaften haben. Die Volltextsuche findet Inhalte; Metadaten beantworten Fragen wie „alle gültigen Ordnungen” oder „alle Dokumente zu Person X”, die ein Ordnerbaum allein nicht beantworten kann.

Berechtigungen und Datenschutz ​

Das Verwaltungs-DMS ist ausschließlich dem Kreis Mitarbeitende zugänglich. Eltern, Schüler und Externe haben keinen Zugriff, auch nicht lesend; was sie erhalten sollen, wird über ihre eigenen Spaces bereitgestellt.

Innerhalb der Mitarbeitenden gelten vier Schutzstufen. Sie werden am Ordner gesetzt und vererbt; ein Dokument kann höher, nie niedriger eingestuft werden als sein Ordner.

StufeBedeutungBeispieleZugriffProtokollierung
S1 internFür alle Mitarbeitenden bestimmt01, 99, Gesamtkonferenz-Protokollealle Mitarbeitenden lesen, Owner schreibtÄnderungen
S2 FunktionFür eine Funktion bestimmt06, 07, 08, Schulführungs-ProtokolleFunktionsrollen des BereichsÄnderungen
S3 personenbezogenAkten über einzelne Menschen03.2, 05.1, 09.4eng definierte FunktionsrollenLesen und Ändern
S4 besonders schutzbedürftigGesundheit, Gutachten, Abmahnungen, Vorfälle (Art. 9 DSGVO und vergleichbar)Schülerakte/04, Personalakte/04, 05.7, 09.5benannte Einzelrollen, Vier-Augen-Freigabe für neue RechteLesen und Ändern, regelmäßige Sichtprüfung

Zugriffsmatrix für die Hauptordner (L = lesen, S = schreiben, — = kein Zugriff):

OrdnerSchulleitungSekretariatPersonalreferatBuchhaltungGeschäftsführungKlassenlehrkraftKollegiumDatenschutz
00LS——L———
01SLLLSLLL
02SL——Lje Gremiumje GremiumL
03LS——LL (eigene Klasse)—L
04SS——LLL—
05L (ohne S4)—S—S———
06LL (nur 06.2)—SS———
07LL—LS———
08LS——SL (nur 08.2)L (nur 08.2)L
09L———L——S
10———LL———
11SS——LLL—
99LSLLLLLL

Die Matrix ist ein Vorschlag für eine Waldorfschule mit Verein als Träger und muss beim Setup je Schule bestätigt werden. Zwei Regeln bleiben unverhandelbar: Klassenlehrkräfte sehen nur die Akten der eigenen Klasse, und S4 wird nie über eine breite Gruppe freigegeben.

Die Buchhaltung braucht keinen Zugriff auf Schüler- oder Personalakten: Beitrags- und Vergütungsdaten kommen aus den Prilog-Stammdaten bzw. der Lohnabrechnung und werden in 06 belegt. Die einzige bewusste Ausnahme von P2 ist „eigene Klasse” in 03.2 – sie wird nicht von Hand vergeben, sondern von Prilog aus der Klassenzuordnung abgeleitet und endet automatisch mit dem Zuordnungswechsel.

Warum so streng: Die meisten Datenpannen in Schulablagen entstehen nicht durch Angriffe, sondern durch zu weit gefasste Ordnerfreigaben, die niemand mehr überblickt. Wenige, vererbte Rechte auf Ebene 1–2 sind die einzige Form, die ein Mensch jährlich prüfen kann.

Aufbewahrung, Schuljahreswechsel, Archiv und Löschung ​

Archivieren heißt in dieser Struktur: Status „abgeschlossen” setzen und schreibschützen, nicht in einen zentralen Archivordner verschieben. Ein zentrales Archiv würde alle Rechtegrenzen aus P2 wieder vermischen. Einzige Ausnahme sind Einzelakten, die beim Abgang nach „ehemalig” wandern, weil sich dort Leserkreis und Fristbeginn ändern.

Die Fristen unten sind Richtwerte aus Bundesrecht und gängiger Schulpraxis. Die schulrechtlichen Fristen für Schülerunterlagen in Hamburg und ihre Geltung für Ersatzschulen müssen vor Inbetriebnahme mit der Datenschutzbeauftragten und der Steuerberatung verifiziert werden. Fristbeginn ist immer der Schluss des Jahres, in dem das auslösende Ereignis liegt.

UnterlageOrdnerAuslöserRichtwertGrundlage (zu prüfen)
Abgelehnte Bewerbungen Personal05.3Absage6 MonateAGG § 15 Abs. 4 (2 Monate Klagefrist) + Puffer
Aufnahme-/Wartelisten, nicht aufgenommen03.1Absage bzw. Ende Aufnahmeverfahren6–12 MonateZweckbindung
Schülerakte (ohne Abschlussnachweise)03.3Abgang5 JahreLandesschulrecht, zu prüfen
Zweitschriften Abschlusszeugnisse04.2Abschlusslangfristig, in vielen Ländern 50 JahreLandesschulrecht, zu prüfen
Prüfungsunterlagen, -arbeiten04.2Prüfung1–10 Jahre je DokumentartPrüfungsordnung, zu prüfen
Personalakte05.2Austritt3 Jahre (Verjährung), Lohn- und SV-relevantes längerBGB § 195, HGB/AO, SGB IV
AbmahnungenPersonalakte/04ErteilungEntfernung nach 2–3 Jahren BewährungRechtsprechung BAG, Einzelfall
BEM-Unterlagen05.7Abschluss BEM3 JahreVerjährung, Zweckbindung
Buchungsbelege06.4Schluss Geschäftsjahr8 JahreAO § 147, HGB § 257 (seit 2025)
Bücher, Jahresabschlüsse, Inventare06.5Schluss Geschäftsjahr10 JahreAO § 147, HGB § 257
Handels- und Geschäftsbriefe07.1Versand/Eingang6 JahreAO § 147, HGB § 257
Verträge07.1VertragsendeVertragsende + 10 JahreVerjährung, AO
Unfallanzeigen08.3Unfall5 JahreDGUV-Praxis, zu prüfen
Gremienprotokolle, Satzung, Beschlüsse02, 10—dauerhaftNachweis, Vereinsrecht
Datenschutzvorfälle, Betroffenenanfragen09.4, 09.5Abschluss3 JahreRechenschaftspflicht, Verjährung

Ablauf zum Schuljahreswechsel (1. August) ​

  1. Neue Schuljahresordner anlegen

  2. Vorjahr auf „abgeschlossen” setzen

  3. Abgänger-Akten nach „ehemalig” verschieben

  4. Klassenzuordnung und Rechte neu setzen

  5. Eingang 00 leeren

Schritte 1 bis 4 führt Prilog automatisch aus den Stammdaten aus; das Sekretariat bestätigt nur. Der Wechsel des Geschäftsjahres für 06 läuft getrennt zum 1. Januar.

Jährlicher Löschlauf ​

  1. Prilog erstellt im Januar eine Liste aller Dokumente, deren „Aufbewahrung bis” abgelaufen ist.

  2. Der jeweilige Owner prüft die Liste und setzt bei laufenden Verfahren eine Löschsperre mit Begründung.

  3. Die Datenschutzkoordination gibt frei; Prilog löscht endgültig, einschließlich aller Versionen.

  4. Ein Löschprotokoll (was, wann, wer, auf welcher Grundlage – ohne Inhalte) wird in 09.6 abgelegt.

Ohne Schritt 4 ist die Löschung nicht nachweisbar; ohne Schritt 2 droht die Vernichtung von Beweismitteln.

Was nicht ins Verwaltungs-DMS gehört ​

Das DMS ist die Ablage für Verbindliches, nicht der Arbeitsplatz. Alles andere hat in Prilog einen besseren Ort.

InhaltRichtiger OrtWarum
Unterrichtsmaterial, Epochenhefte, ArbeitsblätterDateien im Space der Klasse bzw. des FachsPädagogische Arbeit, anderer Leserkreis, keine Aktenfrist
Chat-Anhänge und Entwürfebleiben im Chat; Endfassung wird ins DMS abgelegtEin Chat ist kein Nachweis; Anhänge sind schwer auffindbar
Beschwerden, Kinderschutz- und KrisenfällePrilog Fall-Kontext (Fallakte)Braucht Fallrollen, Fristen und Protokoll; Ergebnis wird in der Akte nur vermerkt
Beschlüsse als DatensatzModul Konferenzen (Beschlussregister)Das Register ist führend; DMS hält das unterschriebene Protokoll
Stammdaten (Adressen, Klassen, Beiträge)Prilog-StammdatenDaten in Dokumenten veralten; DMS verweist nur
Tabellen, die laufend bearbeitet werdenPrilog TabellenKollaborativ und versioniert; Stichtagsfassung bei Bedarf als PDF ins DMS
Persönliche Notizen von Lehrkräften zu Kindernnicht in Prilog-Ablagen der VerwaltungKeine Aktenqualität; verleitet zu Schattenakten

Faustregel für Mitarbeitende: Ins DMS kommt, was man in drei Jahren noch vorzeigen können muss. Alles, woran man heute noch arbeitet, bleibt im Space.

Pflege, Governance und offene Entscheidungen ​

Eine Struktur verfällt, wenn niemand sie verantwortet. Deshalb gelten drei Regeln:

  • Ebene 1 ändert sich nur per Beschluss der Schulleitung mit Anhörung der Datenschutzkoordination; jede Änderung erhöht die Version dieses Handbuchs.

  • Ebene 2 und tiefer ändert der jeweilige Owner; neue Unterordner erben die Schutzstufe und dürfen sie nur erhöhen.

  • Einmal jährlich (nach dem Schuljahreswechsel) prüfen Owner und Datenschutz die Zugriffsmatrix und den Eingang 00.

Anforderungen an das Prilog DMS ​

Die Struktur funktioniert nur, wenn das DMS diese Fähigkeiten hat. Sie sind Grundlage für die Umsetzungsplanung:

  • ☐ Ordnervorlagen mit Unterordnern, Schutzstufe und Fristregel (Aktenvorlage aus 99)

  • ☐ Automatisches Anlegen und Verschieben von Einzelakten aus Stammdaten-Ereignissen (Aufnahme, Abgang, Eintritt, Austritt)

  • ☐ Vererbte Rechte auf Ebene 1–2; Einstufung nur nach oben änderbar

  • ☐ Aus der Klassenzuordnung abgeleitete Leserechte auf Schülerakten

  • ☐ Lesezugriffs-Protokoll für S3 und S4, auswertbar durch die Datenschutzkoordination

  • ☐ Status „abgeschlossen” mit Schreibschutz je Schuljahres- bzw. Geschäftsjahresordner

  • ☐ Berechnetes Feld „Aufbewahrung bis”, Löschsperre mit Begründung, Löschlauf mit Freigabe und Protokoll

  • ☐ Löschung inklusive aller Versionen und Volltextindex-Einträge

  • ☐ Auskunftsexport je Person (Art. 15 DSGVO) über das Metadatenfeld Personenbezug

Offene Entscheidungen ​

  • ☐ Hamburger Fristen für Schülerunterlagen und Prüfungsarbeiten an Ersatzschulen verifizieren

  • ☐ Liste der Gremien je Schule festlegen (Selbstverwaltungsorgane unterscheiden sich stark zwischen Waldorfschulen)

  • ☐ Kindergarten, Hort und Ganztag: eigener Hauptordner oder Teil von 03?

  • ☐ Liegt die Lohnabrechnung im Haus oder extern? Davon hängt der Inhalt von 06.4 ab

  • ☐ Zugriffsmatrix mit einer Pilotschule durchspielen, bevor sie Vorlage für alle Tenants wird