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⚠️ Veraltet (Stand 2026-04-30)

Diese Dokumentation beschreibt das alte System vor dem Process-Engine-Refactor (Phase 4.7). Die zugrundeliegenden Tabellen (cascade_*, concept_instances/bausteine, crisis_scenarios/events/tasks, workflow_*) wurden gedroppt. Die hier dokumentierten Routen und Models existieren so nicht mehr.

Aktuelle Architektur: Process-Engine API — eine Engine, mehrere Apps (flow.*, concept.*, crisis.*).

Diese Datei bleibt als historische Referenz erhalten.

Praxisbeispiel: Kinderschutzkonzept

Dieses Kapitel zeigt Schritt für Schritt, wie ein Kinderschutzkonzept nach §8a SGB VIII in Prilog aufgebaut, konfiguriert und im Ernstfall genutzt wird.

Gesetzlicher Hintergrund

§8a SGB VIII verpflichtet alle Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe — also auch Schulen — zu einem institutionellen Schutzkonzept. Dieses muss Verfahren für den Umgang mit Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdung definieren und dokumentieren.

Schritt 1: Konzept aktivieren

  1. Öffne die Konzepte-Ansicht (Buch-Symbol in der Sidebar)
  2. Finde die Vorlage „Kinderschutzkonzept"
  3. Klicke auf „Aktivieren"

Das System erstellt automatisch:

RessourceZweck
Space „Konzept: Kinderschutzkonzept"Geschützter Arbeitsbereich
Kanban-BoardFür die Gefährdungsanalyse
Kalender-Layer „Präventionsmassnahmen"Für Präventionstermine
Kalender-Layer „Schulungen §8a"Für Fortbildungen
DMS-Ordner „Schulungen §8a"Für Zertifikate
DMS-Ordner „Fallakten"Für Protokolle
Workflow „Verdachtsfall §8a"Der komplette Handlungsablauf
Matrix-RaumFür das Kinderschutz-Team

Du wirst direkt zur 9-Tab-Ansicht weitergeleitet.

Schritt 2: Leitbild formulieren (Tab 1 — „Unser Leitbild")

Öffne den ersten Tab. Du siehst einen Editor mit einer Vorlage:

Hier das Leitbild für „Kinderschutzkonzept" formulieren.

Ersetze den Platzhalter durch euer schulisches Kinderschutz-Leitbild. Ein gutes Leitbild beantwortet:

  • Was verstehen wir unter Kindeswohl?
  • Welche Verantwortung übernehmen wir als Schule?
  • Wie gehen wir mit Verdachtsfällen um?
  • Welche Haltung erwarten wir von allen Mitarbeitenden?

Beispielformulierung

„An unserer Schule hat der Schutz von Kindern und Jugendlichen oberste Priorität. Jede Lehrkraft und jeder Mitarbeitende ist verpflichtet, Anzeichen einer möglichen Kindeswohlgefährdung ernst zu nehmen und den definierten Meldeprozess einzuhalten. Wir schaffen einen Raum, in dem Kinder sich sicher fühlen und Vertrauenspersonen ansprechen können."

Der Text wird automatisch gespeichert (nach 2 Sekunden Inaktivität). Du kannst auch jederzeit Ctrl+S drücken.

Schritt 3: Risiken analysieren (Tab 2 — „Gefährdungsanalyse")

Wechsle zum zweiten Tab. Du siehst ein Kanban-Board mit vier Spalten:

  • Identifiziert — Neue Risiken, die benannt wurden
  • In Bearbeitung — Risiken, die gerade untersucht werden
  • Bewertung — Risiken, die bewertet wurden (Schweregrad)
  • Behoben — Risiken, für die Gegenmassnahmen greifen

Beispiel-Risiken für eine Gefährdungsanalyse:

RisikoPrioritätBeschreibung
Unbeaufsichtigte RäumeHochKellerräume und Dachboden sind nicht abgeschlossen
Fehlende SchulungMittel3 neue Lehrkräfte ohne §8a-Basisschulung
Kein Vertrauenslehrer benanntHochKinder haben keinen expliziten Ansprechpartner
Soziale MedienMittelKein Konzept für Cybermobbing und digitale Gefährdungen

Klicke „Risiko erfassen" um ein neues Risiko anzulegen und weise ihm eine Priorität zu.

Schritt 4: Zuständigkeiten festlegen (Tab 5 — „Zuständigkeiten")

Wechsle zu Tab 5. Hier definierst du, wer welche Rolle im Kinderschutz hat:

RollePersonVerantwortlichkeitenKontakt
KinderschutzbeauftragteFrau MüllerMeldungen entgegennehmen, Gefährdungseinschätzung koordinieren0170-1234567
StellvertretungHerr SchmidtVertretung bei Abwesenheit0171-2345678
SchulleitungFrau WeberVier-Augen-Entscheidung, Jugendamt-Kontakt030-1234567
VertrauenslehrerHerr BauerAnsprechpartner für Schülerinnen und Schüler
SchulsozialarbeitFrau KleinBeratung, Begleitung, Dokumentation030-2345678

Klicke „Rolle hinzufügen" und trage die Zuständigkeiten ein. Klicke anschliessend „Speichern".

Pflichtbesetzung

Die Rolle „Kinderschutzbeauftragte" ist gesetzlich vorgeschrieben. Stelle sicher, dass diese Position besetzt und die Person namentlich benannt ist.

Schritt 5: Schulungen planen (Tab 6 — „Schulungen §8a")

Wechsle zu Tab 6. Hier siehst du den Kalender-Layer für Schulungen.

Pflichtschulungen im Kinderschutz:

SchulungZielgruppeHäufigkeit
Basisschulung §8aGesamtes KollegiumBei Eintritt + alle 3 Jahre
Vertiefung „Gefährdungseinschätzung"KinderschutzbeauftragteJährlich
Sensibilisierung „Grenzverletzungen"Alle MitarbeitendenAlle 2 Jahre

Lege die Termine im Kalender an (über „Kalender öffnen"). Teilnahmebescheinigungen werden im verlinkten DMS-Ordner abgelegt.

Schritt 6: Den Workflow verstehen (Tab 4 — „Fallbearbeitung")

Dies ist der wichtigste Tab. Hier siehst du den §8a-Workflow — den vollständigen Handlungsablauf bei einem Verdachtsfall:

┌──────────┐     ┌─────────────────┐     ┌──────────┐
│ Meldung  │────→│ Ersteinschätzung│────→│  Akut?   │
│ eingeht  │     │   (Formular)    │     │(Entscheid)│
└──────────┘     └─────────────────┘     └──┬───┬───┘
                                            │   │
                              ┌─────────────┘   └────────────────┐
                              ▼                                   ▼
                   ┌───────────────────┐              ┌─────────────────┐
                   │  Jugendamt        │              │   Fachkraft     │
                   │  informieren      │              │   einbeziehen   │
                   │  (E-Mail)         │              │  (Checkpoint)   │
                   └────────┬──────────┘              └────────┬────────┘
                            │                                  │
                            ▼                                  ▼
                   ┌───────────────────┐              ┌─────────────────┐
                   │  Vier-Augen-      │              │ Gefährdungs-    │
                   │  Prinzip          │              │ einschätzung    │
                   │  (2 Bestätigungen)│              │ (Formular)      │
                   └────────┬──────────┘              └────────┬────────┘
                            │                                  │
                            ▼                                  ▼
                   ┌───────────────────┐              ┌──────────────┐
                   │  Bericht          │              │   Melden?    │
                   │  generieren       │              │ (Entscheid)  │
                   └────────┬──────────┘              └──┬───────┬──┘
                            │                            │       │
                            ▼                            ▼       ▼
                   ┌───────────────────┐      Vier-Augen    Wiedervorlage
                   │  Abgeschlossen    │      (s.o.)        14 Tage
                   └───────────────────┘                     ↩ zurück

Was passiert bei jedem Knotenpunkt?

Meldung eingeht (Start) → Ein Mitarbeitender bemerkt Anzeichen einer möglichen Kindeswohlgefährdung und öffnet den Workflow.

Ersteinschätzung (Formular) → Die Kinderschutzbeauftragte füllt ein strukturiertes Formular aus:

  • Beobachtung (Freitext, Pflichtfeld)
  • Schweregrad: „Akute Gefährdung", „Verdacht" oder „Unklar"

Akut? (Entscheidung) → Das System verzweigt automatisch basierend auf dem eingetragenen Schweregrad:

Pfad A — Akute Gefährdung:

  1. Jugendamt wird sofort per E-Mail informiert
  2. Vier-Augen-Prinzip: Zwei verschiedene Personen (z.B. Kinderschutzbeauftragte + Schulleitung) müssen die Meldung unabhängig bestätigen
  3. Bericht wird automatisch generiert und im DMS abgelegt

Pfad B — Verdacht (nicht akut):

  1. Insoweit erfahrene Fachkraft wird einbezogen (Checkpoint — die Person muss bestätigen)
  2. Gemeinsame Gefährdungseinschätzung (weiteres Formular)
  3. Erneute Entscheidung: Melden oder weiter beobachten?
  4. Bei „Weiter beobachten": Automatische Wiedervorlage nach 14 Tagen — der Workflow erinnert dich

Kein Schritt wird übersprungen

Der Workflow erzwingt die Einhaltung des gesetzlichen Ablaufs. Es ist nicht möglich, das Vier-Augen-Prinzip zu umgehen oder die Gefährdungseinschätzung zu überspringen. Jeder Schritt wird mit Zeitstempel und Person protokolliert.

Schritt 7: Einen Durchlauf starten

Wenn es soweit ist:

  1. Öffne das Kinderschutzkonzept → Tab „Fallbearbeitung"
  2. Klicke „Ablauf starten"
  3. Der Workflow beginnt — die Ersteinschätzung wird angezeigt
  4. Fülle das Formular aus
  5. Der Workflow leitet automatisch zum nächsten Schritt weiter
  6. Beteiligte Personen werden per Chat/E-Mail benachrichtigt
  7. Checkpoints warten auf Bestätigung der zuständigen Rollen

In der Run-Liste siehst du den Status:

  • 🟢 Abgeschlossen — Alle Schritte durchlaufen
  • 🔵 Läuft — Aktiv, wartet auf nächsten Schritt
  • 🟡 Wartet — Checkpoint offen, jemand muss bestätigen
  • 🔴 Fehlgeschlagen — Ein Checkpoint wurde abgelehnt

Schritt 8: Jahresbericht erstellen (Tab 9 — „Jahresbericht")

Am Schuljahresende öffnest du Tab 9 und siehst die automatisch berechneten Kennzahlen:

Beispiel-Auswertung eines Schuljahres:

KennzahlWert
Dokumentierte Fälle3
Davon akut1
Durchschnittliche Reaktionszeit22 Minuten
Vier-Augen-Prinzip eingehalten100%
Kollegium geschult28 von 30 Lehrkräften
Wiedervorlagen fristgerecht bearbeitet2 von 2
Offene Risiken (Baustein 2)1 (Unbeaufsichtigte Kellerräume)

Diese Zahlen können direkt in den Jahresbericht für die Schulaufsicht übernommen werden.

Schritt 9: Berichte im Dokumentation-Tab

Jeder abgeschlossene Workflow-Durchlauf generiert automatisch einen Bericht. Du findest ihn unter Tab 8 „Fallakten":

  1. Öffne den Tab — alle generierten Berichte sind aufgelistet
  2. Klicke „Ansehen" bei einem Bericht
  3. Der Bericht zeigt:
    • Die Ersteinschätzung (Formular-Daten)
    • Die Gefährdungseinschätzung (falls ausgefüllt)
    • Wer wann bestätigt hat (Vier-Augen-Protokoll)
    • Das komplette Ablauf-Protokoll mit Zeitstempeln
  4. Klicke „Drucken / PDF" um den Bericht als PDF zu speichern

Rechtssichere Dokumentation

Jeder Bericht enthält das vollständige Protokoll: Wer hat wann welchen Schritt ausgeführt? Wer hat das Vier-Augen-Prinzip bestätigt? Welche Daten wurden erfasst? Das ist die Dokumentation, die bei einer Schulinspektion oder in einem Verfahren vorgelegt werden kann.

Zusammenfassung

Das Kinderschutzkonzept in Prilog ist kein statisches Dokument — es ist ein lebendiges System, das:

  • ✓ Die gesetzlichen Anforderungen nach §8a SGB VIII abbildet
  • ✓ Im Ernstfall Schritt für Schritt durch den Ablauf führt
  • ✓ Das Vier-Augen-Prinzip technisch erzwingt
  • ✓ Jeden Schritt rechtssicher protokolliert
  • ✓ Automatisch an Wiedervorlagen erinnert
  • ✓ Am Schuljahresende objektive Kennzahlen liefert
  • ✓ Den Schulungsstand des Kollegiums nachweist

Die gleiche Struktur — die 9 Bausteine — funktioniert für jedes weitere Konzept, das deine Schule braucht.