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Warum ein Stundenplan so schwer ist ​

Teil I · Kapitel 1. Wer einmal einen Stundenplan gemacht hat, weiss: Es ist schwerer, als es aussieht. Dieses Kapitel zeigt, warum — Schritt für Schritt an einem Beispiel. Danach verstehst Du, warum Planende im Frühjahr wenig schlafen und warum ein Computer hier wirklich hilft.

Schritt 1: eine Klasse, eine Woche ​

Fangen wir klein an. Die Klasse 7a der Lindenschule hat eine Woche mit fünf Tagen zu je sechs Stunden: 30 Plätze. Laut Stundentafel hat sie genau 30 Stunden Unterricht in zwölf Fächern:

FachStunden je Woche
Deutsch, Mathematikje 4
Englisch, Französischje 3
Geschichte, Biologie, Physik, Sport, Musik, Kunst, Werken, Religionje 2

Wie viele Möglichkeiten gibt es, diese 30 Stunden auf die 30 Plätze zu verteilen?

Rund 50 Quadrillionen — eine 5 mit 25 Nullen. Das sind mehr Möglichkeiten, als Astronomen Sterne im sichtbaren Universum schätzen. Könnte ein Computer eine Milliarde Wochenpläne in der Sekunde anschauen, bräuchte er für alle über eine Milliarde Jahre.

Und doch: Für eine Klasse allein findest Du in zehn Minuten einen guten Plan. Mathematik an vier verschiedenen Tagen, möglichst morgens. Sport nicht in der ersten Stunde. Keine Lücken. Fertig.

Warum geht das so leicht? Weil nichts mit nichts zusammenstösst. Die 7a ist allein auf der Welt.

Schritt 2: eine zweite Klasse und eine gemeinsame Lehrerin ​

Jetzt kommt die 7b dazu. Und Frau Graf, die in beiden Klassen Mathematik unterrichtet.

Plötzlich hängt alles zusammen. Legst Du Mathematik der 7a auf Dienstag, 1. Stunde, kann die 7b dann keine Mathematik haben — Frau Graf kann nicht an zwei Orten sein. Beide Klassen hätten Mathematik gern früh am Morgen. Jede Entscheidung für die eine Klasse ist eine Entscheidung gegen die andere.

Das ist der Kern des ganzen Problems. Ein Stundenplan ist nicht 26 einzelne Klassenpläne. Er ist ein einziges Geflecht, in dem jede Stunde an Menschen und Räumen hängt, die auch woanders gebraucht werden.

Schritt 3: die Turnhalle ​

Die Lindenschule hat eine Turnhalle. Jede ihrer 26 Klassen hat zwei Stunden Sport, die Oberstufe drei. Das sind knapp 60 Hallenstunden in der Woche.

Die Woche hat aber nur 30 Plätze.

Selbst wenn die Halle in jeder einzelnen Stunde belegt ist, passt nur die Hälfte hinein. Die Schule braucht also eine zweite Halle — oder zwei Klassen teilen sich die Halle — oder Sport findet teilweise draussen statt. Und selbst mit zwei Hallen ist jede einzelne Hallenstunde begehrt: Wer die Halle Montag früh bekommt, nimmt sie allen anderen weg.

Solche Stellen heissen Engpässe. Die Halle, der einzige Chemieraum, die Musiklehrerin, die nur dienstags kommt. Engpässe bestimmen einen Stundenplan mehr als alles andere. Wer gut plant, fängt bei ihnen an.

Schritt 4: Menschen haben ein Leben ​

Herr Okafor unterrichtet mit halber Stelle. Montags und freitags pflegt er seine Mutter. Frau Demir hat kleine Kinder und kann erst ab der zweiten Stunde. Herr Lindqvist kommt von einer Nachbarschule und ist nur dienstags und donnerstags da.

Von den 130 Lehrkräften der Lindenschule arbeiten viele in Teilzeit, jede mit eigenen Tagen und Zeiten. Jede dieser Rücksichten ist richtig und wichtig. Und jede nimmt dem Plan Spielraum: Wenn Herr Okafor nur an drei Tagen kann, müssen alle seine Sport- und Biologiestunden in diese drei Tage — und damit auch die Hallenstunden seiner Klassen.

Schritt 5: Klassen werden geteilt ​

In kleinen Gruppen kommt in Englisch jedes Kind öfter zu Wort. Also wird die 7a für Englisch geteilt: Gruppe 1 und Gruppe 2. Das klingt harmlos, verändert aber viel. Zuerst: Jede Gruppe braucht ihren eigenen Unterricht — die Lehrerstunden verdoppeln sich, wie auch immer man teilt. Und dann:

  • Laufen beide Gruppen gleichzeitig, braucht es zur selben Stunde zwei Lehrkräfte und zwei Räume. Eine Gruppe bleibt im Klassenzimmer — wohin geht die andere?
  • Laufen sie nacheinander (im Wechsel), reicht eine Lehrkraft und ein Raum, aber die Klasse braucht doppelt so viele Plätze in ihrer Woche: sechs Englischstunden im Plan, jedes Kind hat aber nur drei. Und die Hälfte, die gerade nicht dran ist, hat eine Lücke — oder kommt später, geht früher.

Und weil dieselben Kinder in mehreren Teilungen stecken — Englisch-Hälften, Religion und Ethik, Werken in Dritteln —, darf keine Stunde der einen Teilung mit einer der anderen zusammenfallen. Lena kann nicht gleichzeitig in Englisch-Gruppe 1 und in Ethik sitzen.

Schritt 6: gute Gewohnheiten werden zu Regeln ​

Jede Schule hat Erfahrungswissen: Mathematik lieber morgens. Manche Kollegien legen Mathematik ungern direkt nach Sport. Mittwochnachmittag frei für Arbeitsgemeinschaften. Höchstens zwei Stunden desselben Fachs an einem Tag. An Waldorfschulen der Hauptunterricht jeden Morgen in den ersten beiden Stunden.

Jede dieser Gewohnheiten ist gut begründet. Jede ist eine weitere Bedingung im Geflecht.

Schritt 7: alles hängt an allem ​

Stell Dir vor, der Plan steht. Dann bittet Frau Graf, dienstags erst zur 2. Stunde kommen zu dürfen. Eine kleine Bitte. Was passiert?

  1. Mathematik der 7a, Dienstag 1. Stunde, muss weg — sagen wir auf Mittwoch 3.
  2. Mittwoch 3. hatte die 7a Biologie bei Herrn Okafor. Biologie muss weichen — aber Herr Okafor kann nur Dienstag bis Donnerstag.
  3. Donnerstag 2. wäre frei für die 7a — aber da unterrichtet Herr Okafor die 9c in der Halle.
  4. Also wandert die Sportstunde der 9c. Die Halle ist Donnerstag sonst voll …

Eine kleine Änderung löst eine Kette aus, die durch die halbe Schule läuft. Deshalb fürchten Planende Änderungswünsche im Juli — und deshalb ist es so wichtig, Wünsche früh zu kennen.

Was daraus folgt ​

Aus diesen sieben Schritten ergeben sich vier Einsichten, die das ganze Kapitel tragen:

1. Kein Mensch überblickt alle Möglichkeiten

Selbst erfahrene Planende arbeiten mit Faustregeln und Erfahrung — und finden einen guten Plan, aber selten den besten. Ein Werkzeug, das systematisch sucht, ist keine Spielerei, sondern eine echte Hilfe.

2. Nicht alle Wünsche lassen sich erfüllen

Jede Rücksicht kostet woanders Spielraum. Ein guter Plan ist deshalb ein Ausgleich: Er verteilt das Unvermeidliche — die Randstunden, die Hohlstunden, die ungünstigen Tage — so fair wie möglich.

3. Die Fakten müssen stimmen

Wenn die Stundentafel falsch ist, wenn eine Befähigung fehlt oder eine Sperrzeit nicht eingetragen ist, rechnet jedes Werkzeug den falschen Plan. Die meiste Arbeit steckt nicht im Planen, sondern im Klären der Fakten.

4. Mit den Engpässen beginnen

Die Halle, die Fachräume, die Lehrkräfte mit wenig Tagen, der Hauptunterricht — wer sie zuerst setzt, hat danach viel freie Bahn. Wer sie zuletzt setzt, findet keinen Platz mehr.

Die gute Nachricht ​

Genau für diese Art Rätsel sind Computer gemacht. Prilogs Auto-Plan probiert nicht alle 50 Quadrillionen Möglichkeiten durch — das könnte niemand. Er denkt geschickter: Legt er Mathematik der 7a probeweise auf Dienstag, 1. Stunde, streicht er auf einen Schlag alle Pläne, in denen Frau Graf zur selben Zeit in der 7b wäre. So schrumpft das Rätsel mit jedem Schritt, bis eine Lösung übrig bleibt, die alle Bedingungen erfüllt — und unter vielen solchen eine mit möglichst wenigen Nachteilen.

Was der Computer nicht kann: wissen, dass Lena nach Sport nicht rechnen mag, dass Herr Okafor seine Mutter pflegt, dass die 9c in diesem Jahr schwierig ist. Das wisst Ihr. Der Computer rechnet, die Menschen entscheiden.

Wie sich das im Alltag anfühlt — für Lena, Herrn Okafor und alle anderen —, zeigt das nächste Kapitel.

Weiter: Ein Tag, vier Blickwinkel